Aachener Zeitung vom 02.04.2020

Ein Lichtblick in Corona-Zeiten

Kinder bleiben mit dem Familienzentrum Eva auch über Kunst in Kontakt

VON ANNA-LOUISA GOBLIRSCH

ALSDORF Den Kindern zu erklären, dass sie erst einmal nicht mehr in den Kindergarten können, ist für die meisten Eltern keine einfache Aufgabe. Auch für die Erzieherinnen und Erzieher sind die Tage im Kindergarten ohne Kinder nicht leicht. Die zweifache Jungen-Mama Stella Casper aus Alsdorf wollte die schwierige Corona-Zeit für ihre Jungs und die Kindergärtnerinnen des Familienzentrums Eva in Ofden erträglicher machen und hatte eine kreative Idee, die schon jetzt als Inspiration für viele andere Eltern und Kindergärten dient. „Ich gehe mit den Jungs gerne spazieren. Auf dem Weg kommen wir auch am Kindergarten vorbei.“ Ihr vierjähriger Sohn Mio entdecke, dass seine Erzieherinnen trotzdem im Kindergarten vor Ort waren. Das war für ihn nur schwer zu verstehen. „Er war sehr traurig. Ich überlegte mir, wie man sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen etwas aufmuntern kann“, sagt Stella Casper. „Es gab vor einiger Zeit mal eine Aktion, wo Kinder Steine bemalten. Ich dachte, das können wir genauso machen.“ Gemeinsam mit Mio bemalte sie also einen Stein und beschriftete ihn mit seinem Namen. Den legte sie dann vor die Tür des Kindergartens. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit den Eltern der Kindergartenkinder. Dort schickte ich dann die Idee rein.“ Nach kurzer Zeit ging die Aktion durch die Decke. Rund 40 Kinder bemalten Steine und malten Bilder, die sie dann vor den Kindergarten legten oder an die Wände hingen.

Tränen vor Rührung

Manche Kinder malten auch mit Kreide auf den Boden vor dem Kindergarten. „Die Kinder wollten den Erzieherinnen damit zeigen, dass sie sie sehr vermissen und nicht vergessen.“

Die Rückmeldung der Erzieherinnen hätte nicht schöner sein können: „Sie freuten sich sehr. Es sind sogar ein paar Tränen vor Rührung geflossen.“ Als Antwort auf die tolle Aktion, bastelten sie eine Sonne mit der Botschaft: „Wir vermissen euch und hoffen, dass ihr gesund bleibt! Danke, dass ihr an uns denkt!“ Auf die Sonnenstrahlen schrieben sie Eigenschaften, die sie den Kindern mit auf den Weg geben möchten, sowie Ausdauer, Freude, Mut, Hoffnung und Geduld.

Durch die Aktion kamen auch die Erzieherinnen auf eine kreative Alternative, wie sie mit den Kindern in Kontakt bleiben können: In WhatsApp-Gruppen schicken sie jeden Tag Tipps, Tricks, Lieder oder Spiele an die Eltern, die ganz einfach zu Hause nachzumachen sind. „Am ersten Tag bekamen wir Tipps, wie im Kindergarten der Morgenkreis gemacht wird. So konnten wir das dann auch zu Hause machen. Dann bekommen wir super Spielanleitungen, die die Erzieherinnen abfilmen oder Lieder, die sie aufnehmen.“ Die Kinder sind begeistert, dass sie nun die geliebten Spiele aus dem Kindergarten zu Hause spielen können und die Lieder trällern können. „Manchmal weiß man ja gar nicht, welche Lieder sie im Kindergarten lernen oder welche Spiele sie spielen. Die Kinder erzählen zwar davon, aber können es natürlich noch nicht so gut erklären.“